Beiträge

Architektur-Studenten planen Centraal Beheer von Herman Hertzberger um

VON EINSZUEINS

Vor kurzem haben wir CAD-Pläne für die Hochschule Kaiserslautern vektorisiert. Dort hatten Studierende der Architektur die Aufgabe, ein Gebäude von einem der interessantesten Architekten der Gegenwart umzuplanen: Den Büro-Komplex Centraal Beheer in Apeldoorn/Niederlande von Herman Hertzberger. Hertzberger hatte das Verwaltungsgebäude für eine Versicherungsgesellschaft ursprünglich für 1000 Nutzer entworfen. Nutzfläche: 30.536 m².

Die Aufgabe:

Für die Gebäudestruktur des 1. Bauabschnittes sollten die Studierenden Potenziale einer Nutzungsänderung ausloten. „Inspiriert wurde die Aufgabe vom Architekten Herman Hertzberger selbst, dessen Büro bereits untersucht hatte, das Bürogebäude, das heute fast vollständig leer steht, zu einem Wohngebäude umzunutzen.“, erzählt Architekturstudent Oliver Zwick, dessen Entwurf zu den drei besten gehört.

Prof. Dipl.-Ing. Ulrich Hamann vom Fachbereich Bauen und Gestalten an der Hochschule Kaiserslautern hatte die Aufgabe bewusst nicht als realisierbare Bauplanung ausgelegt. Vielmehr ging es um einen Ideenwettbewerb. Abstands- und Brandschutzflächen beispielsweise mussten bei der Umnutzung nicht eingehalten werden. Vorgegeben war die konstruktiv-räumliche Struktur und die Geschlossenheit der Gesamtanlage des Centraal Beheer. Als Ausgangsmaterial dienten den Studenten Aussen- und Innenaufnahmen des Gebäudes, Zeichnungen und vektorisierte CAD-Pläne.

Fotoaufnahmen Centraal Beheer

Die ehemalige „Werkstatt für eintausend Menschen“:

Der 1. Bauabschnitt des Centraal Beheer wurde 1968 bis 1972 realisiert. Später wurde der Komplex – von Hertzberger selbst – nochmals erweitert, steht seit 2013 aber leer. Verschiedene Umbau-Ideen konnten aufgrund bürokratischer Hindernisse bisher nicht umgesetzt werden. Centraal Beheer gilt als bedeutendes Beispiel von Hertzbergers strukturalistischer Bauweise. Das Prinzip: eine sinnvolle, durchlässige Gebäudestruktur schaffen, die eine Vielzahl von Funktionen zulässt und von den Benutzern selbst zu Ende gedacht und “gefüllt” werden kann.

STRUKTURALISMUS ist eine Architektur-Richtung in den Niederlanden ab den 60er Jahren, Zeit des gesellschaftlichen Wandels, hin zu offeneren demokratischen Strukturen – auch in der Architektur. Statt Raum wird der Begriff der Form hervorgehoben. Nicht als Erscheinungs-Form, sondern als Trägerin von Inhalten, Bedeutung, Werten. Die Form kann damit befüllt, aber auch wieder entleert werden, ohne sich wesentlich zu verändern. In solch einem Gefüge aus Formen soll jeder Nutzer eine individuelle Wahl treffen können. Für den Wohnungs- und Bürobau heisst das: Bau-Elemente, Materialien, Dinge so gestalten, dass sie für mehrere Zwecke geeignet sind. Jeder Nutzer soll persönlich darauf reagieren, sie auf eigene Weise interpretieren und die Form befüllen können. Eine viel zitierte Definition von Hertzberger: „Beim Strukturalismus wird ein Unterschied gemacht zwischen einer Struktur mit langem Lebenszyklus und Einfüllungen mit weniger langem Zyklus.“

Das Raumsystem des Centraal Beheer beruht auf einem dreidimensionalen Gitterraster und setzt sich aus 56 quadratischen, drei- bis fünfgeschossigen Raumeinheiten zusammensammen, jeweils neun mal neun Meter gross. Aus diesen Bausteinen entstehen Gruppen quadratischer Büroinseln. Dazwischen durchstossen offene Lufträume das Gebäude in voller Höhe. Die grosszügige Belichtung mit Tageslicht schafft Aussenraum-Atmosphäre.  Zahlreiche Durchgänge erschliessen den Gesamtraum und schaffen komplexe Blickbeziehungen. Angrenzende Bereiche wie Balkone, Brücken und Galerien sind offen und dienen als Besprechungszonen, Treffpunkte und zur Entspannung.

Die Umgestaltung zum Wohnkomplex:

Bei der Umgestaltung des Bürokomplexes für eine Wohnnutzung wurde schnell klar, dass man einige Veränderungen am Gebäude vornehmen muss, erklärt Student Oliver Zwick. „In meinem Fall waren die ersten Schritte das Herabsetzen des Daches auf EG-Niveau und das Absenken einiger äusserer Gebäudeteile, um eine Belichtung und Belüftung der entstehenden Wohnungen zu ermöglichen. Auch im Innern wurden Teile entfernt, um Innenhöfe für die Belichtung zu schaffen.“

Entwürfe (Auszug) von Oliver Zwick

Der schwierigste Schritt war die Erschliessung. Oliver Zwick hat diese komplett neu entworfen. „Ich habe dies mit kreuzförmigen Treppenhäusern inklusive Aufzugsschacht gelöst, die in den Lücken zwischen den einzelnen Gebäuden sitzen. In den unteren Etagen, die schwer zu belichten sind, wurden Mischfunktionen und Lagereinheiten plaziert, die nicht zwingend auf Tageslicht angewiesen sind.“ Die Wohnungen selbst bestehen aus einem bis drei der 9 x 9 Meter grossen Quadrate. Oliver Zwick hat vier Wohnungstypen entwickelt, die wiederholt angeordnet sind. In fast allen Wohnungen ist der Zugang zu einer der grosszügigen Dachterrassen möglich. Die obersten Terrassen können zusätzlich angemietet werden.

Auch Anke Deutschmann und Julia Hoch haben in ihren Entwürfen verschiedene Wohnungs- und Raumtypen – beispielsweise Maisonetten-Typologien – entwickelt und temporäre Wohnformen wie Hotel, Studenten- und Altenwohnheim in den Komplex integriert. Einkaufsmöglichkeiten, Restaurant, Fitnessstudio, Parkbereiche u.a. ergänzen das Angebot im Gebäude. Flexibel nutzbare Zwischenzonen können als Räume für Begegnung, Verwaltung oder verschiedene Gemeinschaftsinteressen dienen.

oben: Entwurf (Auszug) von Anke Deutschmann, unten: von Julia Hoch

Am Ende war Architekt Herman Hertzberger selbst positiv angetan von den Entwürfen, wie er den Studierenden mitteilte. Schon viele Hochschulen haben Centraal Beheer als Untersuchungsobjekt für neue Anwendungen genutzt. Für Hertzberger eine Bestätigung, dass eine strukturalistische Gebäudeform für unterschiedlichste Nutzungen geeignet ist – genau so, wie es ursprünglich gedacht war.

Man darf gespannt sein, wie es weitergeht mit dem Centraal Beheer.

Wir bedanken uns bei Prof. Dipl.-Ing. Ulrich Hamann, Oliver Zwick, Anke Deutschmann und Julia Hoch für die freundliche Unterstützung und die Zurverfügungstellung von Informationen zum Projekt sowie Entwürfen und Bildmaterial für diesen Beitrag.

Kein Wetter für Schnickschnack. So geht Wellblech-Architektur auf Island

VON GÖTZ SCHNEIDER

Als 2016 ein Wellblech-Haus des Berliner Büros Werk A Architektur den ersten Preis des DAM als bestes Einfamilienhaus gewann, habe ich ehrlich gesagt erst einmal den Kopf geschüttelt. Mit Wellblech verbinde ich Gewerbegebiete, Industrie oder ähnliches. Aber ein Wohnhaus? 

Gerade die puristische Umsetzung hatte die Jury überzeugt. Ein durchgestaltetes Architekten-Haus. Aber ohne überdimensionierte Ansprüche. Dafür klug aufgeteilte 145 Quadratmeter auf einem schmalen Restgrundstück. Konsequent und effizient ausgestattet mit preiswerten Materialien. Für Dach und Fassade zum Beispiel Wellblech.

Genau das habe ich diesen Sommer auf einer Island-Reise ganz neu kennen- und schätzen gelernt.

Auf Island gibt es wenig Architektur. Sehr wenig.

Denn Islands architektonische Geschichte ist kurz. Erst seit 800 Jahren leben Menschen auf der Insel. Seit 100 Jahren errichten sie dauerhafte Gebäude. Architektur, wie wir sie definieren – grösser und weiter gedacht als ein solides Haus zum sicheren Wohnen – existiert dort noch nicht lange.

Im 9. Jahrhundert erreichten die Wikinger die Westküste der Insel. Sie trafen auf Vulkangestein, Erde und Gras und gründeten ihre erste Siedlung, genannt Reykjavík. Sie bauten mobile Häuser aus Torf und Treibholz, die im rauhen Klima nicht lange hielten. Andere Baumaterialien gab es auf der schroffen Insel nicht.

Aus Skandinavien wurden ab 1600 vorgefertigte Holzhäuser importiert und zum Schutz der Fassaden schwarz geteert. Später schiffte man zunehmend die repräsentativen Holzhäuser norwegischer Fischer ein. Das Holz der Fassaden wurde jedoch bald durch Stahlwellblech ersetzt.

Manchmal ändert sich der Blick auf Architektur-Details um 180 Grad.

Wellblechfassaden prägen bis heute auch das Stadtbild von Reykjavík, das sich erst in den vergangenen Jahrzehnten zur lebendigen Kleinstadt entwickelte. Ehemals private Häuser wandeln sich langsam zu öffentlichen Räumen mit Cafés und Geschäften. Dazwischen schlichte Badelandschaften mit den traditionellen „hot pots“. In jedem noch so kleinen Ort der Insel sind sie zu finden.

Die bewohnten Küstengebiete machen dabei nur den kleinsten Teil Islands aus. Vor allem gibt es Natur. 60% der Insel sind unbewohntes Hochland und Steinwüste, 11% mit Gletschern bedeckt.

Neben heissen Quellen, Fjorden, Wasserfällen, zahlreichen Binnenseen und den berühmten Nordlichtern steht Island für richtig rauhes Wetter. Wind, Regen, Schnee – nur immer ein Stück heftiger. Auf meiner Reise im Hochsommer lagen die Temperaturen bei 4 bis 14 Grad. Der Himmel blieb meist bedeckt. Typisch Island. Für ein Foto mit Sonnenlicht braucht man wirklich Geduld.

Ohne robustes Fassaden-Material müsste man wieder und wieder sanieren.

Deshalb gehört Wellblech einfach zu Island. Es ist simpel und effizient, ein zuverlässiger Schutz für die Häuser. Häufig sind schöne Holzfenster in die Blechfassaden eingebaut und dick – sehr dick – mit Farbe lackiert. Sie bilden einen interessanten Gegensatz zum schroffen Metall.

Bildergalerie Island

Seit Island sehe ich das Material Wellblech mit anderen Augen. Vor allem die mutigen Farben haben mich fasziniert. In Deutschland kaum denkbar. Auf Island stehen die kleinen freundlichen Häuser wie bunte Bonbons mitten in der weiten Landschaft oder reiht sich Farbe an Farbe in Reykjavík.

Wo der Himmel oft grau ist, signalisiert die farbenfrohe Architektur den Menschen Licht und Wärme. Und die Gebäude erhalten gerade durch den Materialmix und die besondere Farbgebung ihre Identität.

Das Betrachten der Bilder macht mich sogar jetzt noch fröhlich.

Fahr Rad! Nachdenken über Städtebau – mehr Raum, mehr Sicherheit, mehr Architektur für Radfahrer

VON EINSZUEINS, ANGELA SABO

Ums Radfahren gab es schon immer Streit

Als der badische Forstbeamte Karl Drais 1817 die sogenannte Laufmaschine vorstellte, wurde diese bald darauf verboten. Begründung: ihre hohe Geschwindigkeit stelle eine Störung der öffentlichen Ordnung dar. Für sieben Kilometer Strecke brauchte man damit gut eine Stunde. Noch schneller waren die um 1850 entwickelten Hochräder. Eine Tretkurbel am Vorderrad diente als Antrieb und die Fahrer mussten erstmals ihre Füsse vom Boden nehmen. Mit den Vorderrädern wurde auch die Geschwindigkeit immer höher und Stürze mit schweren Verletzungen waren nicht selten. So blieben die teuren Hochräder ein Fahrzeug für Draufgänger. Mit den modernen „Niederrädern“ mit zwei gleichgrossen Rädern, Kettenantrieb und ab 1888 mit luftgefüllten Reifen wurde das Radfahren sicherer. In den 1890er Jahren hatte ein Fahrrad bereits alle Komponenten, wie wir sie heute kennen. Parallel entstanden aus der Fahrradtechnik die frühen Automobile.

Das Fahrrad als erstes massentaugliches Individual-Verkehrsmittel

Nach 1900 sanken dank Massenproduktion die Preise der bis dahin exklusiven Zweiräder. Plötzlich konnte sich auch der einfache Arbeiter ein Fahrrad leisten und musste nicht mehr fussläufig in der Nähe seiner Arbeit wohnen. Im Jahr 1936 fuhren in deutschen Städten ab 100.000 Einwohnern bis zu 61% der Arbeiter Fahrrad. Auch Lasten, Materialien, Waren wurden mit dem Rad befördert. 1938 gab es bereits über 10.000 km Radwege, die auch für Ausflüge und Urlaubsfahrten genutzt wurden. Nichtradfahrer, Fussgänger, Kutscher, selbst die ersten Taxifahrer, beschwerten sich schon damals über Belästigungen und Gefährdung durch Radfahrer. Sie hatten das Image von Unruhestiftern.

Stadtverwaltungen entwickelten vielerorts Massnahmen zur Eindämmung des Radverkehrs – Strassensperren, Fahrverbote, Fahrprüfungen, Fahrerkarten, sogar Nummernschilder. Dazu kamen immer mehr Motorräder und Automobile, die Platz auf den Strassen beanspruchten. Dennoch: Um die Jahrhundertwende bis nach dem zweiten Weltkrieg war das Fahrrad die Nummer eins unter den städtischen Fahrzeugen. Erst der wachsende Wohlstand der industrialisierten Gesellschaft in den 60er und 70er Jahren machte das Auto zum neuen Statussymbol. Im Städtebau folgte man dem Bedarf mit immer mehr und grösseren – autogerechten – Verkehrswegen.

Wem gehört die Strasse?

Heute müssen sich Radfahrer, Fussgänger und Autos Strassen teilen, deren Raum kaum noch erweitert werden kann. Stau, Parkprobleme, Luftverschmutzung, nicht zuletzt auch immer wieder schwere Unfälle mit Radfahrern haben inzwischen zum Umdenken zugunsten von Fussgängern und Radfahrern geführt. Fast überall ist der Umbau zu fahrradfreundlicheren Strukturen von heftigen Kontroversen begleitet. Von einer „Rückeroberung der Stadt“, wie der Titel einer Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt (zu sehen noch bis 2. September 2018) zum Thema Radverkehr lautet, kann kaum die Rede sein. Das Auto ist und bleibt attraktiv – schon allein aus wirtschaftlichen Gründen.

Andererseits sind mehr als 50 % der in einer Stadt zurückgelegten Wege weniger als fünf Kilometer lang. Dafür ins Auto steigen, ausparken, einparken, Sprit verbrauchen, Abgase freisetzen? Eigentlich nicht nötig. Aber nur wo es sichere und gut ausgebaute Fahrrad- und Fusswege gibt und die Strasse als öffentlicher Raum gilt – gleichberechtigt für alle – lassen Menschen das Auto stehen und gehen alternative Wege. In besonders radfreundlichen Städten wie Groningen oder Kopenhagen erledigen bis zu 60% der Einwohner ihre innerstädtischen Wege wieder mit dem Fahrrad oder zu Fuss.

Kreativer Städtebau – speziell für Radfahrer und Fussgänger

Radfahren hat besondere Qualitäten, finden auch unsere Mitarbeiter in Winterthur – eine der fahrradfreundlichsten Städte in der Schweiz. Draussen zu sein, mit mehr Aufmerksamkeit für die Dinge unterwegs, natürlich gesundheitliche Aspekte, vor allem Bewegung. „Wenn ich mit dem Rad ins Büro fahre, bekomme ich viel mehr mit. Ich fühle mich lebendig und erfrischt. Und nebenbei habe ich einen Teil meines Sportprogramms erledigt“, meint Firmeninhaber Götz Schneider. Stichwort Lebensqualität. Die steht wieder mehr und mehr im Fokus von Städteplanern und Verkehrsentwicklern, eng verbunden mit dem Thema Sicherheit. Städtebaulich ist hier noch einiges zu tun. In Darmstadt werden Radwege ausgebaut und die Stadt hat einen Fahrradbeauftragten eingestellt. In vielen Grossstädten entstehen Fahrradparkhäuser und Fahrradmietstationen. Das Thema Radverkehr bewegt weltweit und hat enorm kreatives Potenzial, wie auch der reich bebilderte Katalog “FAHR RAD!” zur gleichnamigen Ausstellung im DAM Franfurt zeigt. Häufig sind renommierte Architekturbüros beteiligt, wenn es um innovative Umbau- und Ausbaumassnahmen für den Radverkehr geht. Sie zeigen Möglichkeiten, Verkehrswege zu entlasten, die Sicherheit von Radfahrern zu verbessern und gleichzeitig architektonische Highlights und Mehrwert für alle zu schaffen, die unterwegs sind – ob zu Fuss, auf zwei oder auf vier Rädern.

Diese Rad-Projekte begeistern uns besonders:

Menschenfreundlich: PASSEIG DE ST JOAN BOULEVARD, BARCELONA von Lola Domenech.

Der breite Boulevard wurde auf 3,15 ha Fläche in einen funktionalen, komfortablen und umweltfreundlichen städtischen Raum für Radfahrer und Fussgänger umgestaltet. Mit separaten Wegen für Fussgänger, Spielbereichen für Kinder, Gastronomie und weniger Fahrspuren für Autos zugunsten von Freizeitzonen unter Bäumen. Ein geschützter Zweirichtungsradweg befindet sich in der Fahrbahnmitte. Zur Website Passeig de St Joan Boulevard

 

Schön anzusehen: CIRKELBROEN, KOPENHAGEN von Olafur Eliasson.

Eine Brücke für Radfahrer und Fussgänger, bestehend aus fünf kreisrunden Plattformen, die sich bewegen lassen und die Wellen des Wassers nachempfinden. Menschen sollen sich beim Überqueren der Brücke Zeit nehmen, die Aussicht geniessen und einen neuen Blick auf die Dinge bekommen. Eine Brücke als Erholungsort innerhalb der Stadt. Zur Website Cirkelbroen

 

Fahrgefühl in Pink: NELSON STREET CYCLEWAY, AUCKLAND von Monk Mackenzie Architects.

Die ehemalige Autobahnausfahrt wurde nicht mehr gebraucht. Statt sie abzureissen, wurde sie in eine in Pink getauchte Verbindung für Radfahrer und Fussgänger umfunktioniert – auch Lightpath genannt. Zur Website Nelson Street Cycleway

 

Zukunftsweisend? FAHRRADPAVILLON, MAINZ von Schoyerer Architekten_Syra.

Der Prototyp des Fahrradpavillons wurde ausschliesslich aus industriell vorgefertigten Massenprodukten gefertigt. Die robuste prägnante Architektur bietet bis zu 12 Fahrrädern Platz. Die Stellplätze können gemietet werden. Zur Website Fahrradpavillon

 

Radweg in rund: HOVENRING, EINDHOVEN von ipv Delft creative engineers.

Die kreisförmige Brücke für den Zweirad- und Fussverkehr hat einen Durchmesser von 72 Metern und wurde mit 24 Abspannseilen an einem 70 Meter hohen Pylonen über einer wichtigen Strassenverkehrsachse aufgehängt. Getrennt vom Autoverkehr ist man hier sicher unterwegs und nutzt gleichzeitig zentrale Verkehrswege. Zur Website Hovenring

 

Öko auf hohem Niveau: OBOY WOHNHAUS UND HOTEL, MALMÖ von hauschild und siegel architecture.

Das üppig begrünte Gebäude mit Wohnungen und Hotelzimmern speziell für Radfahrer hat breite Türrahmen, strapazierfähige Oberflächen, riesige Aufzüge. Ein voll beladenes Lastenfahrrad fährt mühelos bis in die Küche. Die Mitgliedschaft im Fahrzeugpark ist in der Miete enthalten, falls man doch einmal ein Auto braucht. Das erste mehrstöckige Wohngebäude, das eine Planungsgenehmigung ohne vorgeschriebene Strassenparkplätze erhielt. Zur Website Oboy

 

Kathedrale für Räder: FAHRRADPARKHAUS CENTRAAL STATION, UTRECHT von Ector Hoogstad Architecten.

Das grösste Fahrradparkhaus der Welt sieht aus wie eine Kathedrale aus Beton, Glas und Holz und hat ein digitales Leitsystem, viel Tageslicht und Sichtachsen für Blickkontakt. 13.500 Räder sollen hier einmal stehen. Rampen und rotgestrichene Einbahnstrassen führen zu den Stellplätzen. Geparkt wird per Chipkarte. Zur Website Fahrradparkhaus Centraal Station

 

Nachhaltig und engagiert: RADBAHN, BERLIN von paper planes e.V.

Radbahn will den vergessenen Raum unter Berlins berühmter U1-Hochbahn in eine pulsierende urbane Hauptschlagader verwandeln. Sie ist ein Spielfeld für zeitgemässe Mobilität, Innovation und Freizeitangebote. Zur Website Radbahn

 

Der schnellste Radweg Deutschlands: RS1 – RADSCHNELLWEG RUHR von Fachleuten aus Stadtplaung, Verkehr und Landschaftarchitektur von Land, Strassenbau, Kommunen und Reginalverbänden – ein Gemeinschaftsprojekt.

Ein 101 Kilometer langer Radweg für Pendler, Touristen und alle, die sich mit dem Fahrrad auf der Achse zwischen Hamm und Duisburg bewegen möchten. Mindestbreite von 4 Metern, wenig Steigungen, durchgehend beleuchtet und sogar mit Winterdienst und Reinigung. Zur Website Radschnellweg Ruhr

Wir wünschen gute Fahrt!

Kulturgut und Vektorisierung – Die Hochburg Emmendingen

VON EINSZUEINS

Die Hochburg Emmendingen ist ein echter “Lieblingsplatz”. Manch einer erlebte dort als Kind fantastische Abenteuer. Seit 1974 wird an der zweitgrössten Burganlage Badens gebaut – gegen die Zeit, gegen den Verfall. Der Erhalt der riesigen Anlage kostet viel Mühe, aber er lohnt sich. Wir finden das richtig klasse.

Als “magische Burg“ wird sie beschrieben, die zweitgrösste Burganlage Badens nach dem Heidelberger Schloss. Sie ist nur eine Ruine, doch ein überaus beliebtes Ausflugsziel. Naturliebhaber schätzen den genialen Ausblick, Familien die weitläufige Anlage, auf der es viel zu entdecken gibt. Dazu lockt die interessante Umgebung mit Biohof, Gänsen und Bio-Milch aus dem Automaten.

Die Kerngebäude der einst riesigen Verteidigungsanlage sind gut erhalten – trotz bewegter Geschichte mit Eroberungen und Zerstörung. Um 1161 erstmals urkundlich erwähnt, begann die grosse Zeit der Hochburg Emmendingen im 17. Jahrhundert, als sie zur renaissancezeitlichen Schloss- und Festungsanlage umgebaut und von Markgraf Georg Friedrich von Baden um sieben Bastionen erweitert wurde.

Es folgten Kriege, Wiederaufbau, Brände und Folgekriege, bis es 1689 zur endgültigen Zerstörung kam, unter anderem durch Sprengung aller noch bewohnbaren Gebäude und der verbliebenen Bastionen. Danach blieb die Hochburg Ruine. Seit 1971 kümmert sich der Verein zur Erhaltung der Ruine Hochburg e.V. um die Anlage. Heute ist sie für Besichtigungen wieder geöffnet. Sie zählt zu den landeseigenen Monumenten und wird durch die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Würtemberg und den Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Würtemberg betreut.

Möglich ist die Erhaltung einer solchen Anlage nur mit viel Initiative. Am Anfang stand die Freilegung des ausgedehnten Ruinengeländes von Bewuchs und Schutt. Seither wird kontinuierlich gebaut. Immer wieder sind Bereiche der Burganlage für die Besichtigung gesperrt. Aktuell stehen Substanzerhalt und Verkehrssicherung im Vordergrund. Dafür braucht es solide Plangrundlagen. Bei einem Gebäude mit jahrhundertelanger Geschichte sind diese meist lückenhaft. Der Lageplan zeigt die zahlreichen Details der ehemaligen Festung.

37 Vorlagen standen einszueins für die aktuelle Umsetzung ins CAD zur Verfügung: aus verschiedenen Zeiten, zumeist handgezeichnet und ohne Masse, dafür mit vielen handschriftlichen Anmerkungen. „Manches war nicht lesbar, nicht eindeutig gezeichnet, nicht beschriftet. Ob es sich beispielsweise um eine Wand oder eine Öffnung handelt, lies sich nicht eindeutig ablesen“, beschreibt CAD-Mitarbeiterin Simone Laufkötter die Arbeit. „Hier vektorisieren wir alles eins zu eins. Unklare Details werden mit anderen Plänen abgeglichen und, sofern möglich, von unseren Ingenieuren fachspezifisch-logisch interpretiert. Wo das nicht geht, markieren wir die Unstimmigkeiten.” Spannend war, dass die Pläne selbst ein Stück Baugeschichte erzählen. Besonders deutlich wird das an den Schiessständen, einmal im Zustand um 1450 (hier links der Original-Papierplan) und dann um ca. 1580 (vektorisiert in CAD).

Die Ausdehnung der heutigen Anlage und ihre noch vorhandenen Gebäude mit aufschlussreichen Baudetails lassen die Glanzzeiten der Festung im 17. Jahrhundert immernoch erahnen. Für historische Fundstücke wurde inzwischen ein Museum eingerichtet. Es finden Feste und mittelalterliche Märkte statt. Dank des stetigen Engagements für die Erhaltung und Pflege der Burganlage ist aus der zugewachsenen Ruine heute das weithin bekannte, liebevoll restaurierte Naherholungsgebiet Hochburg geworden. Eine tolle Leistung, die vielen Menschen Freude macht.

SOS Brutalismus: Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum

VON ANGELA SABO / FOTOS: GÖTZ SCHNEIDER

 

Besonders beliebt sind brutalistische Bauten nicht. Das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt zeigt erstmals brutalistische Architektur der 50er bis 70er Jahre im weltweiten Überblick.

Deshalb Brutalismus …

Brutalismus kommt vom französischen Wort brut für „direkt, roh, ehrlich, herb“. Ab etwa 1950 spricht man von Brutalismus als Architekturstil, der sich bis in die 1980er Jahre verbreitete. Eigentlich wollten die Vertreter dieser Bauart eine neue kraftvolle und ethische Architektur schaffen. Konstruktion, Materialien und Bauelemente wurden ungeschönt und offen sichtbar eingesetzt. Rohe, ehrliche Gebäude.

 

Der erste Eindruck der Ausstellung …

Materialorientiert, rustikal und zugleich detailreich, sinnlich erlebbar. Eine lange Galerie kleiner Betonmodelle auf weissen Sockeln. Fotos auf packpapierartigem Untergrund auf grossen Stegplatten. Dazwischen aufwändige Architektur-Modelle aus Pappe, teilweise mannshoch. Begleitend zur Ausstellung liefert der Katalog eine umfangreiche Bestandsaufnahme brutalistischer Bauten aller Kontinente, reich bebildert mit Fotos, Skizzen, Grundrissen. Ein dickes Werk im schweren bedruckten Leineneinband, wie aus einer anderen Zeit.

Hintergründe …

Die “rohen, ehrlichen” Bauten wurden schnell als “brutal” wahrgnommen. Beliebt sind sie jedenfalls nicht. Und inzwischen zudem in die Jahre gekommen. Stärker als gedacht ist Beton anfällig für äussere Einflüsse und Zerfall. Viele Gebäude befinden sich in einer kritischen Phase, wirken ungepflegt, müssen renoviert oder haustechnisch modernisiert werden. Häufig droht der Abriss. Hier setzt die Ausstellung an und rückt die Architektur der Sechziger- und Siebzigerjahre auch in den Fokus der Denkmalpflege. Mit dem Aufruf „SOS Brutalismus – Rettet die Betonmonster!“ machen das Deutsche Architekturmuseum und die Wüstenroth Foundation auf die weltweite Zerstörung und Vernachlässigung brutalistischer Architektur aufmerksam.

 

Warum sich ein Besuch auf jeden Fall lohnt …

Wegen der Architekturmodelle, die in der TU Kaiserslautern extra für die Ausstellung angefertigt wurden. In den  Beton-Modellen zeigt sich der “ehrliche” Werkstoff in seinen Grundeigenschaften als zähe, giessbare Masse mit seiner spezifischen Struktur, Haptik und Farbe besonders deutlich. Entstanden sind Interpretionen der Bauten. Beim Betonmodell des Wohnhauses „Toblerone“ (Belgrad/Serbien) beispielsweise wurden nur die Grundformen nachempfunden. In der Abstraktion erinnert nichts mehr an ein bewohnbares Gebäude. Vielmehr entsteht ein eigenständiges Gebilde übereinandergesetzter Sterne.

 

Was in Erinnerung bleibt …

Ein veränderter Blick auf die “Betonmonster”. Immer wieder wandern die Augen zwischen den Betonmodellen und den darüber angebrachten Fotos der Originalgebäude hin und her. Sie erscheinen plötzlich wie Skulpturen, Objekte. Grafisch, kalt und doch irgendwie ästhetisch, extrem fotogen. Die Eintragungen im Gästebuch reichen von „grauenhaft“ und „da möchte keiner drin leben“ bis zu Statements wie „grandios“ und „erhaltenswert!“. Bemerkenswert auch: Die ungeliebte, grobe Architektur gibt es weltweit. Zu sehen sind Gebäude u.a. aus Japan, Brasilien, dem ehemaligen Jugoslawien, Israel, Grossbritannien. Brutalistische Gebäude faszinieren, polarisieren. Vielleicht sind sie einfach Skulpturen ihrer Zeit. Im Einzelfall kommt es darauf an, was man aus ihnen macht.

Ausstellung: SOS BRUTALISMUS. Rettet die Betonmonster! 9. November 2017 bis 2. April 2018, Deutsches Architekturmuseum Frankfurt a.M., Schaumainkai 43, www.dam-online.de, www.SOSBrutalism.org

Die grosse Kunst, kleine Häuser zu bauen: Architekturtrend Tiny House – Minihaus

VON ANGELA SABO

 

46,5 Quadratmeter Wohnfläche hatte eine Einzelperson 2017 durchschnittlich zur Verfügung. Eine Grösse, die vor 70 Jahren noch einer einfachen Familienwohnung entsprochen hat. Hört man sich um, so wählen Menschen ihren Wohnraum meist „so gross wie möglich“. Doch es gibt einen neuen Trend: Leben auf kleinstem Raum in sogenannten Tiny Houses.

Das Team von moeve-architekten bda betrat Neuland, als es beauftragt wurde, ein Mini-Haus für eine dreiköpfige „Familie“ zu entwerfen. Eine grosszügige Raumgestaltung sollte es sein, mit dem Gefühl, Platz zu haben, quasi im Freien zu leben. Ein offenes Wohnkonzept, aber separate Bereiche für Kochen, Schlafen, Arbeiten, ein schönes Bad, eine naturnahe Bauweise, ein hochwertiges Aussen-Design. Das Ganze für ein vergleichsweise geringes Budget.

Die Auftraggeber: eine ruheliebende Bewohnerin und zwei clevere Hunde, die Türen öffnen können, auch zu den unmöglichsten Gelegenheiten. „Ein kleines Haus – eine grosse Herausforderung“, beschreibt Architekt Michael Mogilowski die Aufgabe. „Am Ende ging es darum, Unwichtiges wegzulassen und eine intelligente Raumlösung zu finden, reduziert auf die Bedürfnisse der Bewohner. So kamen wir auf das DreiRaumHaus, ein weitgehend in Holz ausgeführtes, ebenerdiges Gebäude mit besonderem Clou: Es verzichtet auf trennende Innentüren. Ausserdem haben wir grossen Wert auf die enge Verzahnung mit dem Aussenraum gelegt. Natur und Gebäude gehen fliessend ineinander über.“ Durch die besondere Grundform entstehen trotz fehlender Türen in sich geschlossene Räume, die wiederum verschiedene Ausblicke auf das Haus öffnen. Das Tiny-Low-Budget-Haus wirkt dadurch weitläufig und lichtdurchflutet, aber eben auch ausgesprochen wohnlich.

Das DreiRaumHaus. Die Fassade ist aus Holzlatten aufgebaut, die wechsel­weise horizontal und vertikal angeordnet sind. Das wirkt bewegt und setzt Kontraste. Die dahinterliegende, farbige Wind­dichtig­keitsfolie verstärkt diese Anmutung. (Fotos: moeve architekten, Darmstadt)

Der Trend geht zum Leben auf kleinstem Raum

Mit 55 Quadratmetern ist das DreiRaumHaus nicht winzig, aber für deutsche Verhältnisse ein sehr kleines Haus. Laut Statistik kauft oder mietet eine deutsche Durchschnittsfamilie den grösstmöglichen, gerade noch leistbaren Wohnraum, für den ein bis zwei Drittel des Einkommens ausgegeben werden. Viel zu viel, sagen Tiny-House-Liebhaber. Inzwischen arbeiten Architekten auf der ganzen Welt an der Konzeption minimalistischer Wohnformen. Angefangen vom Wohncontainer für Studenten bis zum Modul-System für die ganze Familie.

Wohn-Minimalismus in Extremform erforscht der Berliner Architekt und Designer Van Bo Le-Mentzel. Sein Tiny100, die kleinste Wohnung Deutschlands, misst 2  x 3,20 m und soll die Grundbedürfnisse einer Person abdecken. Die Wohnung umfasst Küche, Bad, Büro, Schlaf- und Wohnzimmer, möglich durch eine Deckenhöhe von 3,60 m. Eine verschiebbare Holzleiter führt in den Schlafbereich, der gleichzeitig als Arbeitsplatz dient. Aufgrund der geringen Grösse würde diese Wohnung nur 100 Euro Monatsmiete kosten. Sie ist als kleinstmögliche Einheit eines gemeinschaftlichen Wohnens gedacht, das Van Bo Le-Mentzel “Co-Being House” nennt.

Der Prototyp der 100 Euro-Wohnung der Anfang 2016 gegründeten Tinyhouse University ist mobil. Noch bis Anfang März 2018 findet der „Bauhaus Campus Berlin“ vor dem Bauhaus-Archiv, Museum für Gestaltung statt. Akteure aus Design, Kultur und der Startup-Szene tüfteln hier an neuen Wegen in der Bildungs- und Baukultur. Alle Projekte sind in Tiny-House-Strukturen organisiert. Ziel ist der Entwurf einer gerechteren Stadt, z.B. eine Antwort auf die Frage: Wie sieht bezahlbarer Wohnraum aus? (Fotos: Tinyhouse University)

Minimalismus als Lebenskonzept – Verzicht oder Luxus oder beides?

Leben auf 6,4 Quadratmeter im Tiny100 – geht das denn? „Wir haben das Glück, in einem schönen grossen Haus zu leben. Aber ganz ehrlich, wir können gar nicht alle Räume bewohnen“, antwortet eine Nachbarin auf die Frage danach, ob wohnen auf 100 oder mehr Quadratmetern eigentlich zufriedener macht. Die Gründe in ein Minihaus zu ziehen, reichen für den Einzelnen von Überlegungen zur Nachhaltigkeit, Ökologie und der Ersparnis von Geld, Zeit und Arbeitskraft bis hin zur Erkenntnis, ob Glück vielleicht in einem minimalistischen Lebensstil liegen kann. Immer grösser wird die Zahl der Menschen, für die weniger tatsächlich mehr ist.

Das BoxHotel ermöglicht Übernachten in der City zu Discountpreisen. Es werden auschliesslich bestehende Innenstadtflächen bebaut. Besondere Architektur- und Designelemente schaffen in den kleinen Schlafboxen ein Gefühl von Komfort und Luxus. Eine Smartphone-App ersetzt die klassische Rezeption. (Fotos: BoxHotel Göttingen)

Minimalisten vereinfachen ihr Leben und liegen damit voll im Trend. Es geht darum, das eigene Verhalten hinsichtlich Konsum, Besitz und Beziehungen auf Sinn und Notwendigkeit zu hinterfragen. Auch bei der Frage des Wohnraums. Was brauche ich wirklich, um zufrieden und komfortabel zu wohnen? Wohnraum bewusst zu verkleinern bedeutet Konsequenzen, vor allem weniger Stauraum. Man müsste sich trennen – von Möbeln, Erinnerungsstücken, Büchern, Hausrat, Kleidung. Für Viele ist das zunächst eine beängstigende Vorstellung. Doch wer einmal den Umzug in ein Minihaus gewagt hat, empfindet es meist als grosse Entlastung. Nur das Wesentlichste zu besitzen, schafft persönliche Unabhängigkeit – mehr Zeit, mehr Freiheit, mehr Geld. Zum Beispiel für die Verwirklichung von Träumen.

Der neue Minimalismus ist längst Lifestyle pur. Das reicht vom rein funktionalen Interieur bis zur „Capsule Wardrobe“, eine Mini-Garderobe, die nur noch aus einer bestimmten Anzahl kombinierbarer Lieblingstücke besteht.

„Ich glaube, es entsteht ein viel persönlicherer Raum, wenn ich mich nur noch mit dem umgebe, was ich wirklich nutze und mag. Eigentlich sind das nur wenige, sorgfältig ausgewählte Dinge“, beschreibt es einszueins-Firmeninhaber Götz Schneider, der das Lebensgefühl Tinyhouse vor Jahren im selbst ausgebauten Bauwagen getestet hat. „Auf kleinem Raum vereinfacht sich der gesamte Lebensstil. Da mein Wagen keinen Kühlschrank hatte, kamen z.B. nur noch frische Sachen auf den Tisch. Ich habe weniger eingekauft, aber wesentlich besser gegessen. Noch dazu, aus Platzgründen, am liebsten an der frischen Luft. Besser geht’s nicht.“

Tiny Houses in Deutschland – eine Definition

Der Bau- oder Wohnwagen ist der Klassiker unter den Tiny Houses. Ursprünglich kommt der Begriff aus den USA und steht für eine gesellschaftliche Bewegung, die das Leben in – wörtlich übersetzt – winzigen Häusern bevorzugt. Eine offizielle Grössendefinition existiert allerdings nicht. Im deutschen Sprachgebrauch sind damit jedoch vorrangig mobile Häuschen auf Rädern gemeint. Im Gegensatz zu den USA bestehen hierzulande umfassende rechtliche Voraussetzungen, die bei der Nutzung von Tiny Houses erfüllt sein müssen. Dies gilt sowohl für die Beförderung auf öffentlichen Strassen als auch zu Wohn- oder Gewerbezwecken.

Für Natürlichkeit und Nachhaltigkeit steht das start-up Wohnwagon, das auch Probewohnen im Tiny House anbietet. Wohnwagon ist Rückzugsort, Raum für Inspiration und Gemeinschaft und eine komplett autarke Wohnmöglichkeit mit intelligenten Möbeln und Extras wie dem ausziehbaren Erker. “Im Wohnwagon findet man alles, was das Leben ausmacht und hat immer noch Luft zum Denken.” (Fotos: Wohnwagon, Wien/Österreich)

Ob mobiles Tiny House oder stationäres Mini- oder Mikrohaus – man sieht sie bei uns noch selten. Doch es gibt bereits eine Vielzahl von Entwicklern und Anbietern, die sich auf den Bau von Kleinhäusern und deren Ausstattung spezialisiert haben. Minihaus-Konzepte wie Wohnwagon gehen soweit, dass sie eine komplett autarke Wohnmöglichkeit anbieten, inklusive Wasseraufbereitung und Stromerzeugung. Andere Anbieter stellen ein voll ausgestattetes Häuschen per Kran direkt auf das Grundstück. Hersteller wie Cubig, Raumwerk oder SmartHouse bieten Modulsysteme an. Dabei bleiben Grundrisse und Gesamtgrösse individuell gestaltbar. Während sich ein einzelnes Würfelhaus für Singles eignet, können Paare und Familien ihr Haus je nach Platz, Budget und Bedarf zur Seite oder nach oben wachsen lassen. Von der Planung bis zu Anlieferung und Einzug soll es nur wenige Monate dauern.

Einzelmodule von SmartHouse gibt es ab 24 Quadratmeter Wohnfläche. Ob klassischer Bungalow-Style oder zweigeschossige Stadtvilla mit Dachterasse – in Modulbauweise ist fast alles machbar. (Fotos: Smart House GmbH)

Zeitgemässes Wohnen – für Menschen gemacht

Tiny-House-Entwickler sehen im “Downsizing” die Antwort auf alle Anforderungen an zeitgemässes und bezahlbares Wohnen. Die Nachfrage nach Kleinhäusern steigt. „Seit zwei Jahren merkt man einen deutlichen Zuwachs”, sagt Isabella Bosler, Betreiberin des Online-Informationsportals www.tiny-houses.de in einem Interview mit dem Deutschen Handelsblatt. “Wir hatten über die Webseite auch eine Umfrage laufen, um den Bedarf festzustellen. Und da kam eine Grösse von 60 bis 80 Quadratmeter heraus, in ökologischer Holzbauweise.“ Auf dem Infoportal gibt es neben umfangreichen Informationen über das Leben auf kleinstem Raum auch einen Bau-Ratgeber und verschiedene Anbieter-Porträts.

Das einszueins-Team war bei der Recherche vor allem von der kreativen Energie und der Präzision kleiner Häuser angetan, von bis ins Detail durchdachten Wohnräumen, von feinen, nachhaltigen Materialien und ungewöhnlichen Wohnorten. Zufriedenes Wohnen bemisst sich auf jeden Fall nicht an der Anzahl der Räume. Es orientiert sich eins zu eins am Menschen.

Jeder Mensch hat sein eigenes Empfinden, wieviel Wohnraum er braucht. Erstaunlich aber ist: Die meisten Menschen fühlen sich von Kleinsthäusern direkt angesprochen – selbst wenn sie bisher nicht über Minimalismus im Alltag oder eine freiwillige Reduktion ihres Wohnraums nachgedacht haben. „Seit ich als junger Student in den Häuserschluchten New Yorks unterwegs war, suche ich in der Architektur vor allem menschliche Massstäbe. Tiny Houses faszinieren mich seitdem besonders“, fasst Firmeninhaber Götz Schneider zusammen. „Ein Haus zu entwerfen ist wie das Gestalten einer Skulptur, dafür bestimmt, bewohnt, beseelt, lebendig zu werden. Dafür muss sie für mich auf Augenhöhe mit dem Menschen sein, in Relation zu den Massstaben der Natur – zugänglich und erfahrbar. Mein persönliches Traumhaus im Miniformat wäre wahrscheinlich erdgeschossig und stünde ohne Zaun mitten in der Landschaft.”

Wir bedanken uns herzlich für die positiven Feedbacks während unserer Recherche und für die zur Verfügung gestellten Fotos.

Lieblingsbuch und weltweiter Trend: Leerstehende Gebäude clever umgestalten

VON EINSZUEINS, SARA ABDELAAL

Unsere Mitarbeiterin Sara hat in Kairo Architektur studiert und beendet in Darmstadt gerade ihre Doktorarbeit im Bereich Städtebau. Besonders inspiriert hat sie das Buch Reuse, Redevelop and Design. How the Dutch Deal with Heritage. Hier kommt ihre Empfehlung:

Das Buch zeigt einen weltweiten Trend, der auch für Deutschland hochaktuell ist. Es präsentiert 20 Projekte, bei denen die Umgestaltung und Weiternutzung leerstehender Räume und Gebäude im Vordergrund steht. Die kreative Art und Weise, mit der insbesondere niederländische Architekturbüros mit traditionellen Bauformen umgehen, bringt oft überraschende Kombinationen hervor: eine Schule oder ein Gemeindezentrum in einem Fabrikkomplex, ein Geschäft in einer Kirche, ein Erholungsgebiet in einer Militärzone.

Das Buch erzählt auch die Geschichten hinter dem Erfolg der umgestalteten Räume und beleuchtet dabei die Bereiche Kulturpolitik, öffentlich-private Partnerschaften, Finanzierung und Design. Deutlich wird dabei auch die Rolle von Digitalisierungsarbeiten alter Pläne und Umbaupläne als erste technische Schritte und Grundlagenbeschaffung für innovative Nutzungsideen und Redesigns.

Wir bei einszueins waren davon begeistert.

Reuse, Redevelop and Design.
How the Dutch Deal with Heritage
Text by Paul Meurs, Marinke Steenhuis.
Contributions by Jean-Paul Corten, Frank Strolenberg,
Sander Gelinck, Lara Voerman
Verlag: Nai010 Publishers, 2017
ISBN-13: 978-9462083585

 

 

 

 

 

HOPPLA – Kennen Sie diese AutoCAD-Befehle?

VON EINSZUEINS

Hier einige interessante Befehle im Überblick. Welche nutzen Sie am häufigsten? Kennen Sie weitere praktische Befehle? Gern ergänzen wir die Liste nach und nach.

LAYLÖSCH
Layer können im AutoCad gelöscht werden, wenn sie keine Objekte enthalten bzw. keine Objekte, die auf diesen Layer verweisen. Dies betrifft auch enthalten Blöcke. Auch wenn keine dieser Elemente in der Zeichnung mehr enthalten sind, wird der Layer nicht gelöscht. Dies liegt an den Blockdefinitionen, die in der Zeichnung verbleiben und erst verschwinden, wenn alle Blöcke und deren Definitionen gelöscht werden. Um dennoch Layer löschen zu können, ist es möglich den Befehl „LAYLÖSCH“ in die Befehlzeile einzugeben. Aber VORSICHT, dieser Befehl ist nicht rückgängig zu machen, sobald die Zeichnung bereinigt und geschlossen wurde. Sie sollten daher vorher genau prüfen, ob sich tatsächlich keine Zeichenelemente auf Ihrem Layer befinden.

SYSVARÜBERW
Mit diesem Befehl lassen sich Systemvariablen einer Zeichnung überwachen. Diese Variablen sind voreingestellt, können aber nach Bedarf geändert werden. So werden beispielsweise Schraffuren oder breite Polylinien ausgefüllt wenn die Variable des Befehls „FILLMOD“ auf 1 steht. Bei einer 0 erscheinen Schraffuren nicht, auch wenn alle Layer eingeblendet sind. Lässt man sich das Dialogfeld „Systemvariablen überwachen“ durch den o.g. Befehl anzeigen, können diese Werte überprüft und nach Bedarf geändert werden. Als zusätzliche Option kann man sich informieren lassen, sofern die zuvor definierten Settings geändert wurden.

REVWOLKE
Mit einer Revisionswolke können Zeichnungsteile markiert werden, die korrigiert bzw. geprüft oder bearbeitet werden sollen. Durch die besondere Form der Wolke (Reihe von sequentiellen Bögen) wird deutlich, dass diese Elemente keine Bestandteile der Zeichnung sind. Bei Verwendung einer Revisionswolke wird im Architecture ein separater zugehöriger Layer hierfür automatisch generiert.

AUFRÄUM
Im Blockeditor können über den Befehl „AUFRÄUM“ doppelte Objekte oder überlappende Linien entfernt werden. Liegen beispielsweise zwei Linien übereinander können Sie über die Befehlseingabe, die zweite Linie löschen oder anderweitig verwenden. So können Sie unnötige Daten aus Zeichnungen löschen.

VERBINDEN
Mit dem Befehl „VERBINDEN“ können mehrere begrenzte lineare und offen gekrümmte Objekte zusammengefügt werden. Dies geschieht an ihren gemeinsamen Endpunkten, sodass ein einzelnes Objekt entsteht. Der Typ dieses Objekts ist dann beispielsweise abhängig davon, ob die Objekte koplanar sind oder von welchem Typ die ausgewählten Objekte sind. Nicht verbunden werden können jedoch Strahlen, geschlossene Objekte und Konstruktionslinien.

BERWECHS
Mit diesem Befehl können ausgewählte Objekte in einem Layout zwischen dem Papier- und dem Modellbereich übertragen werden. Dies ist in beide Richtungen möglich und die verschobenen Objekte werden ausserdem im neuen Bereich automatisch skaliert.

ALLESCHLIESSEN
Der Befehl „ALLESCHLIESSEN“ schliesst alle aktuell geöffneten Zeichnungen. Wurde eine Zeichnung nicht gespeichert, so wird ein Dialogfeld angezeigt, mit dem die Änderungen in der Zeichnung zuvor noch gespeichert werden können. Anders als der Befehl „QUIT“ wird AutoCAD nicht beendet, sondern nur zum Start zurückgekehrt. Dennoch ist Vorsicht geboten, um sicher zu stellen, dass Änderungen wie gewünscht in der jeweiligen Zeichnung gespeichert oder verworfen werden.

HOPPLA
Aus Versehen gelöschte Objekte können mithilfe dieses Befehls wiederhergestellt werden. Dieser Befehl kann auch nach „BLOCK“ oder „WBLOCK“ verwendet werden, da mit diesen Befehlen die ausgewählten Objekte nach der Erstellung eines Blocks gelöscht werden können. Wurden jedoch Objekte eines Layers mit dem Befehl „BEREINIG“ gelöscht, so lassen sich diese nicht wiederherstellen.

VORANSICHT
Dieser Befehl zeigt die Plot-Voransicht einer Zeichnung an. Diese basiert auf der aktuellen Plotkonfiguration, welche durch die Einstellungen im Feld Seiteneinrichtung oder Plotten definiert wird. Durch diesen Befehl wird der Cursor ausserdem zu einer Lupe mit Plus- und Minuszeichen. Wird die Auswahltaste gedrückt gehalten und der Cursor gleichzeitig an den oberen Bildschirmrand gezogen, so wird die Voransicht vergrössert. Eine Bewegung zum unteren Bildschirmrand verkleinert sie hingegen.

Die Befehle stehen je nach AutoCad-Version zur Verfügung.

Das Haus zur Goldenen Waage – Wie digitale Pläne Baukunst fördern

VON EINSZUEINS, ANGELA SABO

Es gibt Momente, in denen selbst eingefleischte Architekten und Ingenieure ins Schwärmen kommen. Mehr als 70 Jahre nach seiner Zerstörung ensteht das Haus zur Goldenen Waage in der Frankfurter Altstadt wieder neu. Viele Details werden durch Zimmerer, Bildhauer und Steinmetzen aufwendig rekonstruiert. Auch digitale Pläne spielen dabei eine Rolle.

Viel Phantasie ist nötig, um sich den Detailreichtum der Stuckdecke vorzustellen, die einst den grossen Saal der Golden Waage schmückte. Der Erbauer des Hauses, der wohlhabende Farben-, Gewürzhändler und Zuckerbäcker Abraham van Hamel und seine Frau Anna van Litt liessen sich bei der Gestaltung der prachtvollen Decke unter anderem von den biblischen Geschichten rund um seinen Namensvetter Abraham inspirieren. Heute ist von den wertvollen Ornamenten nichts mehr übrig. 1944 wurde das Fachwerkhaus bei einem Bombenangriff der Alliierten fast vollständig zerstört.

Die Goldene Waage, nachcoloriertes Foto von 1900 (Photochrom)

Die Goldene Waage, nachcoloriertes Foto von 1900 (Photochrom)

Zeitzeugen, die das farbige Original von 1624 beschreiben könnten, gibt es nicht mehr. Nur ein Eckbalken des Gebäudes blieb über die Jahre erhalten. Lediglich wenige, teils verschwommene Schwarzweiss-Fotos und ein alter Stich aus dem 19. Jahrhundert dienten einszueins als Vorlage, als für die Rekonstruktion eine digitale Planvorlage der Stuckdecke her musste. Eine grosse Herausforderung für Architekten und Ausführende. Zwar sollten nur die Konturen dargestellt werden, doch die Decke besteht aus zahlreichen frei geschwungenen Linien inklusive Schatten und Schraffuren für die räumliche Darstellung – eine rein künstlerische Arbeit, natürlich ohne Massangaben.

Zusammengesetzte Fotos, CAD-Plan und erste Teile der frisch rekonstruierten Stuckdecke

Zusammengesetzte Fotos, CAD-Plan und erste Teile der frisch rekonstruierten Stuckdecke

Deshalb wurden zunächst nur kleinere Elemente in CAD umgesetzt, die Grundstruktur der Decke. Die grösste Schwierigkeit bestand darin, zwischen Konturen und Schraffuren genau zu differenzieren. Welche Linien müssen gezeichnet werden und wie detailliert? Eine rein computergestütze Umsetzung kann das nicht leisten. Wie bei einszueins Standard, kamen Architektenwissen und präzise Handarbeit zum Einsatz. Mit dem Zwischenergebnis war der Auftraggeber so zufrieden, dass einzueins auch die grossen Details und Bildszenen im CAD-Plan ergänzen konnte. Eine ungewöhnliche und spannende Arbeit. Anschliessend mussten die digitalen Zeichnungen auf den nicht orthogonalen Raum angepasst werden. Erfahrene Handwerker und Bildhauer im sächsischen Ottendorf-Okrilla bauen die prächtige Decke nun nach und ziehen unter anderem erhaltene Stuckdecken aus der damaligen Zeit zum Vergleich heran. Eine gigantische Arbeit unter Leitung des Frankfurter Architekten Prof. Jochem Jourdan, der für den Wiederaufbau der Goldenen Waage jahrelang recherchierte. Doch der ehemalige Festsaal mit seiner besonderen Decke ist nur ein winziger Teil der grossen Restauration des geschichtsträchtigen Gebäudes aus dem 17. Jahrhundert.

Ein Museum der Baukunst – bald wieder für alle da

Abraham von Hameln liess das Haus Zur Goldenen Waage 1619 für sich und seine Familie fertigstellen. Bis zum Zweiten Weltkrieg war das Eckgebäude in der Frankfurter Altstadt eines der Vorzeigehäuser seiner Zeit und gleicht mit seinen aufwendigen architektonischen Details einem Museum der Baukunst. Als besonderer Luxus befand sich auf dem Dach des Hinterhauses das sogenannte „Belvederchen“ (siehe Bild), das den Bewohnern im Sommer ein wenig Kühlung bot. „Jedes Teil hat eine Bedeutung“, sagt Architekt Jochem Jourdan, der die wissenschaftliche und nach Regeln der Baukunst entstehende Rekonstruktion des Hauses leitet. Ein Glücksfall, dass dies überhaupt möglich ist. Machbar nur durch einige erhaltene Dokumente und überlieferte Beschreibungen in Verbindung mit moderner Handwerkskunst und digitalen Technologien. Auch Lasertechnik kommt bei der Rekonstruktion einiger charakteristischer Elemente zum Einsatz. So kann die Goldene Waage in Zukunft auch wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Gastronomie und zwei Museen sind geplant. Im Sommer 2018 soll das Haus fertig sein. Der Innenausbau wird noch dauern. Allein für die Montage und die Farbfassung der 37 Quadratmeter Decke sind mehrere Monate vorgesehen. Dann können die Museumsbesucher die prächtigen Ornamente der Decke besichtigen. Wow-Effekt garantiert.

Das DomRömer-Quartier, die neue Frankfurter Altstadt

Mitten im Herzen Frankfurts entsteht das DomRömer-Quartier und bringt frischen Wind in den historischen Stadtkern. Die Goldene Waage ist nur einer der neuen Anziehungspunkte. Wer jetzt schon neugierig ist, findet Informationen zum Stand der Bauvorhaben sowie tolle virtuelle Fotos, Filme und einen Stadtrundgang auf der Internetpräsenz der Dom-Römer-GmbH, die als Bauherrin das Grossprojekt in der Frankfurter Altstadt verwirklicht.

CAD-Plan, Ausschnitt

CAD-Plan, Ausschnitt

Historische Gemäuer erhalten digitale “Fundamente”: Zukunftsprojekt Darmstädter Residenzschloss

VON EINSZUEINS

Es ist eines der grössten und aufwendigsten Sanierungsprojekte, das die Technische Universität Darmstadt bislang gestemmt hat: das Residenzschloss Darmstadt im Herzen der City. Zum einszueins-Büro nur ein kurzer Fussweg – die CAD-Pläne für das Schloss waren für uns eine Herausforderung mit Tücken und Freuden.

Das ehemalige Schloss der Landgrafen und Grossherzöge von Hessen-Darmstadt umfasst vielfältige Gebäude mit einer zum Teil mehr als 600 Jahre alten Baugeschichte. Bereits im 13. Jahrhundert entstand hier die erste Wasserburg. Im zweiten Weltkrieg wurde die komplexe Anlage weitgehend zerstört und bis Mitte der 1960er Jahre wieder aufgebaut. Schon 2008 hatte die TU begonnen, die Fundamente des Glocken- und Kirchbaus zu sanieren, um die Standsicherheit des Schlosses zu gewährleisten. Viele Gebäude haben Risse als Folge der Trockenlegung des Schlossgrabens im 19. Jahrhundert. Seitdem sind die Holzroste, auf denen die Fundamente aufbauen, fast vollständig verfault. Seit 2013 läuft die Generalsanierung des Schlosses. Ein Grossprojekt.

Ein Grossprojekt wie die Generalsanierung ist nur machbar mit präzisen digitalen Plangrundlagen

Einszueins wurde mit der Erstellung der digitalen Grundlagenpläne beauftragt. Zu Projektbeginn gleich die erste Hürde: Im Archiv ein grosser Berg historischer Papierpläne, unvollständig und ungeordnet, vergilbt und verschlissen im Laufe der Zeit. Zu ungenau für die anstehende Sanierung. Gründliche Vorarbeit war nötig. Im ersten Schritt das Sichten und Herausfiltern der aktuellen und relevanten Planbestände. Anschliessend das Scannen der teils extrem brüchigen Papiervorlagen. Weil automatisiertes Einziehen der wertvollen Zeichnungen zu riskant war, erfolgte das Scannen ausschliesslich von Hand mit Flachbettscannern. Spezielle Folientaschen wurden angefertigt, um die empfindlichen „Schätze“ bestmöglich zu schützen.

Bei der präzisen Übertragung der Papierpläne in digitale Daten zeigten sich unseren Architekten und Ingenieuren schnell gravierende Unstimmigkeiten. Feine Details, bspw. in Skulpturen und verschiedensten Mustern waren auf den Originalen kaum zu erkennen, da sie zumeist freihand mit Bleistift gezeichnet waren. Vor allem aber stimmten die Darstellungen der Grundrisse nicht mit den Schnitten und Ansichten überein. Als Lösung für die Probleme wurde ein partielles Aufmass durchgeführt und vor Ort neu vermessen. Planbestand und Ist-Masse wurden verglichen, Unstimmigkeiten markiert und korrekte Masse in die neu erstellten digitalen Pläne eingetragen. Für die Sanierungsarbeiten lagen am Ende vollständige, stimmige und geprüfte CAD-Pläne mit allen relevanten Daten vor. Ein digitales Fundament für alle weiteren Baumassnahmen an der stadtbildprägenden Schlossanlage.

Jetzt steht das Schloss – auch in echt – wieder auf einer sicheren Grundlage

Die wichtige Gründungsinstandsetzung ist inzwischen abgeschlossen. Weitere Massnahmen sind in vollem Gange. Im Sommer 2017 öffnet der westliche Teil des Schlossgrabens wieder für die Bürger. Vor drei Jahren noch ein verwilderter Un-Ort, ist er zu einer blühenden, Schatten spendenden Parkanlage geworden. Bis 2020 soll die Sanierung abgeschlossen und die komplette Schlossanlage wieder nutzbar und zugänglich sein. Das alte Residenzschloss könnte ein neuer Lieblingsort der „digitalen Stadt Darmstadt“ werden. Wir von einszueins freuen uns, dass wir durch unsere Pläne wie unsichtbar dazugehören.